|
|
Selbsthilfegruppen
für Patienten
Anonyme Alkoholiker: Der
wirkungsvollste Weg zur Abstinenz
|

ein kostenloser Service für Ärzte und
Patienten von
sanofi-aventis
Anonyme
Alkoholiker: Der wirkungsvollste Weg
zur Abstinenz
Alkoholismus ist eines der großen
Gesundheitsprobleme unserer Zeit, und
dennoch hängt ihr ein seltsamer
Makel an: Der Patient fühlt sich
schuldig.
Wer alkoholkrank ist, versteckt seine
Abhängigkeit so lange es geht -
vor sich und vor der Umgebung. Zu groß
ist die Scham, zu schwer wiegen Selbstvorwürfe
und Versagensängste. Wer nicht
Maß halten kann beim Trinken gilt
als schwacher Charakter. Dass Alkoholabhängigkeit
von der Weltgesundheitsorganisation
der Vereinigten Nationen, von Ärzten
und Wissenschaftlern vieler Länder
und längst auch von den Kassen
als Krankheit definiert und akzeptiert
ist, wissen die wenigsten. Der Versicherte
hat Anspruch auf medizinische Hilfe,
auf Beratung und Begleitung, auf Medikamente,
Entziehungskuren und nicht zuletzt auf
die Vermittlung geeigneter Selbsthilfegruppen.
Doch selbst nach jahrelanger Aufklärung
durch Medien und Verbände zeigt
sich die Öffentlichkeit erschütternd
uninformiert. Die Deutsche Hauptstelle
gegen Suchtgefahren schätzt hierzulande
2,5 Millionen Alkoholabhängige
und eine viel größere Zahl
"unentdeckter" Trinker. In
den USA, und nicht nur dort, ist die
heimliche Sucht nach Herzkrankheiten
und Krebs die dritthäufigste Todesursache.
Da bedarf es wenig Phantasie sich auszumalen,
wie viele Kranke auch Leid über
Familienangehörige bringen. Die
Familie, der Arbeitsplatz, das soziale
Netz - alle leiden mit, werden in Co-Abhängigkeiten
gezogen, in ihrem Leben beeinflusst.
Und der Alkoholismus kostet die Gesellschaft
alljährlich Millionen.
Heilung
gibt es nicht
Therapieansätze gibt es viele,
vom "kontrollierten Trinken"
über stationären Entzug mit
anschließender Rückfallprophylaxe
via Medikation und psychologischer Betreuung,
bis hin zur Akupunktur. Sicher ist keine.
Das kontrollierte Trinken etwa, so mahnen
Kritiker, verführe trockene Alkoholiker
und wecke bei den Patienten Bedürfnisse,
die nicht befriedigt werden. Dem schließen
sich auch die Anonymen Alkoholiker (AA)
an, die Selbsthilfegruppe mit überraschend
einfachem Therapieansatz: dem Gespräch.
Die Krankheit kann nach ihrer Auffassung
nie geheilt werden, schon gar nicht,
solange der Kontakt zur Droge besteht.
Ein Alkoholiker sei immer Alkoholiker.
Ist er trocken, komme die Krankheit
zum Stillstand, die Sucht aber bleibt.
Das Mannheimer Zentralinstitut für
Seelische Gesundheit schreibt der Alkoholsucht
sogar über 50 Prozent genetischen
Ursprung zu. Wo auch immer die Wurzeln
liegen, der kritische Punkt - darin
sind sich Ärzte und Selbsthilfegruppen
einig - ist nicht die Therapie, es ist
das Auffangen der Patienten zwischen
ärztlicher Behandlung und dem Alltag.
Und genau hier helfen die AA.
Sprechen
als Therapie
Die Selbsthilfegemeinschaft AA entstand
1935 in Akron, Ohio (USA). Die Begegnung
eines alkoholabhängigen Chirurgen
und eines betroffenen Börsenmaklers
zeigte bald, wie der Zwang zu trinken
schwindet, wenn man sich offen über
die Krankheit, über Ängste
und Not unterhält. Sie versammelten
andere Alkoholiker um sich, nannten
sich die "Alcoholics Anonymous",
die Anonymen Alkoholiker, und bald gründeten
sich nicht nur überall in den USA,
sondern auch im Ausland immer neue regionale
Gesprächsgruppen.
In
Deutschland fanden die ersten organisierten
Treffen 1960 in Karlsruhe statt. Heute
gibt es über 100.000 Gruppen in
150 Ländern. Die Rechtsform in
Deutschland ist die "Interessengemeinschaft
der Anonymen Alkoholiker e.V."
und der erste Vorsitzende ist immer
ein Nicht-Alkoholiker. Mitgliedsbeiträge
oder Gebühren gibt es nicht, ebenso
keine Mitgliederlisten oder Anwesenheitskontrollen.
Und in den Gruppentreffen ist jede Äußerung
und jedes Wiederkommen freiwillig. Die
Gemeinschaft legt großen Wert
auf Unabhängigkeit und Anonymität.
Die Finanzierung erfolgt entsprechend
ohne Mittel von außen, nur durch
eigene interne Spenden.
"Krise"
bedeutet in vielen Sprachen auch "Chance"
Ein Alkoholiker macht laufend die Erfahrung,
dass ihn weder gute Vorsätze noch
moralische Vorhaltungen Dritter im Alltag
vom Trinken abhalten. Mit dem Verstand
kann die Sucht nicht besiegt werden.
Hausärzte tun sich als Außenstehende
in der Führung solcher Patienten
schwer, und selbst die wohlgemeinte
Vermittlung zu den AA verläuft
selten reibungslos.
Der
Zusammenbruch des Trinkers, die existentielle
Krise und das damit verbundene persönliche
Chaos, kann nach Auffassung der AA eine
Wende einleiten. Die Krise birgt die
Chance zur Umkehr. Betroffene nennen
diesen Punkt "Kapieren oder Krepieren".
Die Niederlage ist aus der Sicht der
Selbsthilfegruppe die notwendige Erkenntnis
der persönlichen Machtlosigkeit
gegenüber dem Alkohol. Eine Krise
mit breiten individuellen Facetten.
Das
offene Eingestehen der Sucht ist auch
der erste Schritt des AA-Programms:
Die AA nutzen die Offenheit in der Krise.
Durch den ständigen Kontakt mit
den genesenen AA, dem Gefühl der
Gemeinschaft und Freundschaft, kann
der Zwang zu trinken durchbrochen werden.
Mitglieder erzählen von ihrer Sucht,
ihrem Leid und ihrer Umkehr. Sie zeigen
Parallelen auf, teilen Erfahrungen,
Kraft und Hoffnung, und sie zeigen,
dass ein gutes, sinnvolles Leben ohne
Alkohol möglich ist.
Der
Weg zur "Trockenheit" ist
ein Wachstumsprozess
Keiner kann sich anfangs dauerhafte
Abstinenz vorstellen. Neue Mitglieder
lernen dem Alkohol für den heutigen
Tag zu entsagen. Die Angst vor dem Morgen
wird reduziert. Sobald sich der Patient
nur kurzzeitig der Droge entzieht, bekommt
er einen Teil seiner Krankheit in den
Griff. Der Körper hat die Chance,
sich zu erholen.
Wer dauerhaft nüchtern bleiben
will, braucht jedoch einen gesunden
Verstand und gesunde Gefühle. Er
muss seinem Leben eine neue Richtung
geben. Er braucht ein Programm für
den Alltag. So beginnt der Alkoholiker
in der Gruppe sein verworrenes Denken
und seine Gefühlsleben zurechtzurücken.
Er erkennt, dass die Sucht als solche
unheilbar ist, dass er als Mensch aber
genesen kann, wenn er jegliche Form
von Alkohol meidet. Und er lernt neue,
ethische Lebensprinzipien. Er erfährt
Offenheit und den liebevollen Umgang
mit sich selbst, mit Angehörigen
und Freunden. Grundlage sind Empfehlungen,
die aus den Erfahrungen unzähliger
Alkoholiker resultieren und die den
neuen Lebensweg einrichten helfen. Der
regelmäßige Besuch der Treffen
ist für den Erfolg ausschlaggebend.
Nach Auffassung von Dr. Dresch, Allgemeinarzt
mit Schwerpunkt Alkoholsuchtberatung,
ist die Betreuung innerhalb der AA der
wirkungsvollste Weg, einem Alkoholiker
zu vermitteln, wie er mit dem Trinken
aufhören kann.
Jeder
ist willkommen - keiner wird gefragt
Wer die Programmschritte der AA im Original
liest, wird oft durch spirituelle Formulierungen
abgeschreckt. Tatsächlich glaubt
die Mehrzahl der Mitglieder, dass die
Lösung ihres Problems von einer
höheren Kraft mitgetragen wird.
Jeder definiert diese Kraft jedoch anders.
Für den einen ist es Gott, für
den anderen die Gruppe und für
manche die eigene Willenskraft. Die
AA sind keine Religionsgemeinschaft
und auch mit keiner solchen verbunden.
Sie sind offen für alle, ob mit
oder ohne Glaubensbekenntnis. Die Männer
und Frauen jeden Alters kommen aus verschiedensten
sozialen, wirtschaftlichen und kulturellen
Verhältnissen. Es gibt Angehörige
jeden Glaubens, und auch Atheisten oder
Agnostiker. Die einzige Gemeinsamkeit
ist der Wunsch, mit dem Trinken aufzuhören.
Jeder, der ein Problem mit Alkohol hat,
ist willkommen. Angehörige von
Alkoholikern können an offenen
Meetings nach Absprache mit der Gruppe
teilhaben.
Keine
sozialen oder medizinischen Dienste
Die Gemeinschaft der AA hilft dem Alkoholiker
viele Dinge selbst zu regeln - durch
Aussprache, Beratung und ständige
Hilfsbereitschaft. Sie haben aber weder
die finanziellen Mittel noch die Befugnis
für soziale oder medizinische Dienste.
So helfen sie nicht bei der Arbeitssuche,
bei der Wiederherstellung der Familienbeziehung
oder bei der konkreten Lösung sozialer
Probleme. Hier wird auf Fürsorger
des Gesundheitswesens oder des Sozialamtes
verwiesen. Die AA stellen auch keine
Unterkünfte, keine Kleidung und
kein Essen. Krankenhäuser, Sanatorien
oder Heime unterliegen ebenfalls nicht
der Organisation der AA.
Zusammenarbeit
ja, Zusammenschluss nein
Aus Gründen der Unabhängigkeit
besteht zwischen den AA und anderen
Organisationen kein direkter Zusammenschluss.
Die Gemeinschaft unterstützt andere
Gruppen, staatliche Stellen oder medizinische
Einrichtungen mit ihren Erfahrungen.
Sie ist an Schulen, Krankenhäusern,
psychiatrischen Kliniken und Justizvollzugsanstalten
aktiv, und arbeitet eng mit Hausärzten
zusammen. Die AA wissen, dass es nicht
jeder Alkoholkranke allein durch die
Hilfe der Gruppe schafft, dem Alkohol
zu entsagen. Viele benötigen medizinische
Hilfe, verbunden mit einer Therapie.
Die Mitglieder weisen deshalb auch auf
andere Gruppen (siehe Nützliche
Adressen) und Therapierichtungen
hin. Einige AA sind als ausgebildete
Therapeuten auch direkt als Suchtberater
in Betrieben oder Kliniken tätig.
Sie bemühen sich um ein besseres
Verhältnis zur Medizin, zur Religion,
zu Arbeitgebern, Regierungsstellen,
Gerichten, Gefängnissen und Heilstätten.
Und sie respektieren deren Leistung.
Kontakt
und weitere Informationen
Auf der Homepage www.anonyme-alkoholiker.de
der AA erfahren Sie mehr über Geschichte,
Organisation, Arbeitsweise und Prinzipien
der AA. Hier können Sie Fragebögen
zu Bewertung der eigenen Alkoholsucht
ausdrucken, Adressen von regionalen
Gruppen erfahren und die vollständige
Literaturliste der AA auf interessante
Broschüren für das Wartezimmer
durchforsten. Auch aktuelle Termine
für Tagungen und Infoveranstaltungen
sind hier genannt. Die Homepage der
AA ist zudem Gesprächsforum für
Mitglieder und solche, die es werden
wollen. Interessierte finden hier Telefonnummern
und Adressen von Ansprechpartnern, können
sich in Online-Gruppen einklinken oder
sich direkt per E-Mail an das Zentralbüro
wenden.
Interessante
Kontakte zum Thema finden Sie auch unter
Adressen.
Selbsthilfegruppen
für Patienten

Copyright
© sanofi-aventis